Brahmi und Alzheimer
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1. Studiendesign
Chaudhari et al. untersuchten mögliche neurokognitive Effekte von Brahmi (Bacopa monnieri) im Zusammenhang mit Alzheimer und anderen Formen kognitiver Beeinträchtigung.
Bei der Veröffentlichung handelt es sich nicht um eine klinische Studie, sondern um einen narrativen Übersichtsartikel. Die Autoren fassten Ergebnisse aus Zellversuchen, Tiermodellen und bereits veröffentlichten Humanstudien zusammen. Eine eigene Behandlung oder Untersuchung von Studienteilnehmern fand nicht statt.
Obwohl sich der Titel ausdrücklich auf Alzheimer bezieht, wurden in den dargestellten Humanstudien keine Patienten mit diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung untersucht. Die Humanstudien bezogen sich überwiegend auf:
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gesunde Erwachsene
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gesunde Personen über 55 Jahre
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Personen mit altersbedingten Gedächtnisbeschwerden
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Kinder mit ADHS
Die Aussagen zu Alzheimer beruhen damit hauptsächlich auf Zell- und Tiermodellen.
2. Wirkung
Gedächtnisleistung bei altersbedingten Gedächtnisproblemen
Der Review beschreibt eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie mit 35 Personen über 55 Jahren, die unter altersbedingten Gedächtnisproblemen litten.
Nach acht und zwölf Wochen zeigte die mit Bacopa-monnieri-Extrakt behandelte Gruppe laut Review eine signifikant stärkere Verbesserung des gesamten Gedächtniswertes als die Placebogruppe. Die größten Veränderungen wurden beim logischen Gedächtnis und beim Lernen zusammengehöriger Begriffspaare festgestellt.
Informationsspeicherung bei gesunden Erwachsenen
Eine weitere doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studie untersuchte 76 gesunde Erwachsene. Die Teilnehmer erhielten zwölf Wochen lang entweder 300 mg Bacopa-monnieri-Extrakt täglich oder ein Placebo.
Die Studie zeigte nach sechs und zwölf Wochen eine verbesserte Fähigkeit, bereits aufgenommene Informationen zu behalten. Die Veränderung wurde nach Angaben der Autoren vor allem durch eine geringere Vergessensrate verursacht.
Bei der unmittelbaren Aufnahme beziehungsweise dem erstmaligen Erlernen neuer Informationen zeigte sich dagegen kein entsprechender Vorteil.
Lernen und Erinnern bei älteren Menschen
Eine australische, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie untersuchte 81 gesunde Personen über 55 Jahre. Die Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen täglich 300 mg Bacopa-monnieri-Extrakt oder ein Placebo.
Die Studie zeigte laut Review Verbesserungen bei:
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verbalem Lernen
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Aufnahme neuer Gedächtnisinhalte
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verzögertem Erinnern
Auch für diese Studie enthält der Review keine vollständigen Zahlen oder Effektstärken. Zudem handelte es sich um gesunde ältere Menschen und nicht um Patienten mit Alzheimer oder einer diagnostizierten Demenz.
Logisches Gedächtnis bei Kindern mit ADHS
Der Review nennt außerdem eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie mit 36 Kindern mit ADHS. Die Studie berichtete über eine Verbesserung des logischen Gedächtnisses.
Diese Ergebnisse lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Altersgruppe und Erkrankung nicht auf ältere Menschen oder Alzheimer-Patienten übertragen.
Antioxidative Mechanismen
Mehrere Zell- und Tierstudien zeigten, dass Bacopa-monnieri-Extrakt antioxidative Schutzmechanismen beeinflusste.
In den untersuchten Modellen erhöhte der Extrakt unter anderem die Aktivität beziehungsweise Konzentration von:
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Superoxiddismutase
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Katalase
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Glutathionperoxidase
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reduziertem Glutathion
Gleichzeitig nahmen Marker der Lipidperoxidation und oxidativen Schädigung ab. Weitere Laborversuche zeigten eine Bindung von Eisen und eine Hemmung der Lipoxygenase.
Diese Ergebnisse liefern mögliche Erklärungsansätze für neuroprotektive Eigenschaften. Sie stammen jedoch überwiegend aus Zell- und Tiermodellen und belegen keine entsprechende Wirkung im Gehirn von Alzheimer-Patienten.
Cholinerges Nervensystem
In verschiedenen Tiermodellen schützte Bacopa-monnieri-Extrakt cholinerge Nervenzellen und beeinflusste die Aktivität der Acetylcholinesterase.
Die Autoren ziehen auf dieser Grundlage Parallelen zu Wirkstoffen wie Donepezil, Rivastigmin und Galantamin. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen direkten klinischen Vergleich. Die beschriebenen Ergebnisse stammen aus experimentellen Tier- und Zellmodellen.
Beta-Amyloid
In einem Laborversuch verringerte ein methanolischer Bacopa-monnieri-Extrakt die Bildung von Amyloidfibrillen und löste bereits gebildete Fibrillen teilweise auf.
In einem genetischen Alzheimer-Mausmodell reduzierte die Behandlung die Konzentrationen der Amyloidproteine Aβ40 und Aβ42 im Gehirn um etwa 60 %. In Zellkulturen verringerte Bacopa-monnieri-Extrakt außerdem die durch Beta-Amyloid ausgelöste Zellschädigung und normalisierte teilweise die erhöhte Acetylcholinesterase-Aktivität.
Diese Ergebnisse sind ausschließlich als präklinische Hinweise zu bewerten. In den dargestellten Humanstudien wurden weder Amyloidablagerungen noch Alzheimer-Biomarker untersucht.
Durchblutung des Gehirns
In einer Tierstudie erhöhte Bacopa-monnieri-Extrakt nach acht Wochen die zerebrale Durchblutung um etwa 25 %. Ein Vergleichspräparat mit Ginkgo biloba erhöhte sie um 29 %.
Auch dieser Befund stammt aus einem Tiermodell.
Neuronale Anpassungsfähigkeit
In Mäusen erhöhte Bacopa-monnieri-Extrakt die Expression des Wachstumsfaktors BDNF um das 1,3-Fache und die Expression des mit Gedächtnisprozessen verbundenen Proteins Arc um das Zweifache. Der Marker GFAP wurde durch die alleinige Gabe des Extrakts dagegen nicht erhöht.
Diese Ergebnisse deuten in Tiermodellen auf eine Beeinflussung neuronaler Anpassungs- und Gedächtnisprozesse hin. Eine entsprechende Wirkung beim Menschen wurde in diesem Review nicht nachgewiesen.
Verträglichkeit beim Menschen
Der Review beschreibt eine placebokontrollierte Phase-1-Studie mit 31 gesunden Männern. Untersucht wurden Einzeldosen von 20 bis 300 mg sowie wiederholte Dosierungen von 100 beziehungsweise 200 mg über vier Wochen.
Die Studie zeigte laut Review keine schwerwiegenden klinischen, neurologischen, hämatologischen oder biochemischen Veränderungen.
Als mögliche Nebenwirkungen beim Menschen nennt der Review:
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leichte Übelkeit
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Magen-Darm-Beschwerden
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erhöhte Darmbewegung
Die verfügbaren Sicherheitsdaten waren insgesamt begrenzt und stammten überwiegend aus kleinen, kurzzeitigen Untersuchungen mit gesunden Personen.
Fortpflanzung und Schwangerschaft
In einer Tierstudie verringerten hohe Bacopa-Dosierungen über 28 beziehungsweise 56 Tage die Beweglichkeit, Lebensfähigkeit und Anzahl der Spermien. Zusätzlich wurden leichte Veränderungen des Hodengewebes festgestellt. Die Libido der Tiere blieb unverändert.
Diese Ergebnisse stammen aus einem Tiermodell und lassen sich nicht direkt auf Menschen übertragen. Sie stellen jedoch ein präklinisches Sicherheitssignal dar, das nach Ansicht der Autoren weiter untersucht werden sollte.
Für die Anwendung während der Schwangerschaft lagen keine ausreichenden Sicherheitsstudien vor.
3. Fazit und Einordnung
Der Review fasst mehrere klinische Studien zusammen, in denen Bacopa monnieri bei gesunden Erwachsenen und älteren Menschen mit Gedächtnisbeschwerden einzelne Gedächtnisleistungen verbesserte. Die Ergebnisse betrafen insbesondere die Speicherung bereits gelernter Informationen, das verbale Lernen, das verzögerte Erinnern und das logische Gedächtnis.
Die präklinischen Untersuchungen lieferten darüber hinaus Hinweise auf verschiedene mögliche Wirkmechanismen:
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antioxidative Zellschutzmechanismen
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Schutz cholinerger Nervenzellen
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Beeinflussung der Acetylcholinesterase
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Verringerung von Beta-Amyloid in experimentellen Modellen
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Förderung der zerebralen Durchblutung
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Beeinflussung neuronaler Plastizitätsmarker
Diese Mechanismen wurden jedoch größtenteils in Zellkulturen oder Tiermodellen beobachtet.
Für die Einordnung sind mehrere Einschränkungen entscheidend:
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Es handelt sich um einen narrativen und nicht um einen systematischen Review.
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Eine nachvollziehbare Such- und Auswahlmethodik fehlt.
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Die Humanstudien hatten kleine Stichproben.
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Die verwendeten Bacopa-Extrakte waren nicht durchgehend einheitlich beschrieben.
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Konkrete Effektstärken und Konfidenzintervalle fehlen im Review.
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Keine der dargestellten Humanstudien untersuchte Patienten mit diagnostizierter Alzheimer-Erkrankung.
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Alzheimer-Biomarker, Krankheitsverlauf und Alltagsfunktion wurden in den Studien bei Menschen nicht untersucht.
Die Veröffentlichung liefert interessante Hintergrundinformationen zu möglichen neurobiologischen Mechanismen und zu ersten Humanstudien über Gedächtnisleistungen. Sie zeigt jedoch nicht, dass Brahmi Alzheimer verhindert, den Krankheitsverlauf verlangsamt oder die Erkrankung behandelt.