Brahmi und Gedächtnisleistung
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1. Studiendesign
Roodenrys et al. untersuchten die längerfristigen Auswirkungen eines Bacopa-monnieri-Extrakts auf verschiedene Gedächtnisfunktionen bei gesunden Erwachsenen.
Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Insgesamt begannen 84 gesunde Personen die Studie. Acht Teilnehmer brachen sie nach der ersten Untersuchung ab, jeweils vier aus der Brahmi- und der Placebogruppe.
Ausgewertet wurden 76 Personen:
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37 Teilnehmer in der Brahmi-Gruppe
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39 Teilnehmer in der Placebogruppe
Die Teilnehmer waren zwischen 40 und 65 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betrug 49 Jahre. Sie nahmen keine Medikamente oder anderen pflanzlichen Präparate ein und berichteten keine früheren Kopfverletzungen.
Die Brahmi-Gruppe erhielt drei Monate lang den Bacopa-monnieri-Extrakt KeenMind:
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300 mg täglich bei einem Körpergewicht unter 90 kg
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450 mg täglich bei einem Körpergewicht über 90 kg
Nach Angaben der Autoren entsprach dies sechs beziehungsweise neun Gramm getrocknetem Pflanzenmaterial. Der genaue Bacosidgehalt des Extrakts wird in der Veröffentlichung nicht angegeben.
Die Untersuchungen fanden zu drei Zeitpunkten statt: vor Beginn der Einnahme, nach drei Monaten Einnahme und sechs Wochen nach dem Absetzen.
Untersucht wurden:
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Aufnahme neuer Informationen
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verzögertes Erinnern
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verbales und visuelles Kurzzeitgedächtnis
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Arbeitsgedächtnis
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Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit
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Allgemeinwissen
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subjektive Gedächtnisleistung im Alltag
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depressive Symptome, Angst und Stress
2. Wirkung
Behalten neu gelernter Informationen
Der einzige Test mit einem statistisch signifikanten Unterschied zwischen Brahmi und Placebo war die verzögerte Erinnerung an zuvor gelernte, nicht zusammenhängende Wortpaare.
Nach drei Monaten erinnerten sich die Teilnehmer an durchschnittlich:
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3,68 Wortpaare in der Brahmi-Gruppe
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2,90 Wortpaare in der Placebogruppe
Entscheidend war der Vergleich mit dem unmittelbar vorausgegangenen dritten Lerndurchgang. Dort hatten die Teilnehmer durchschnittlich:
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3,81 Wortpaare in der Brahmi-Gruppe
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3,44 Wortpaare in der Placebogruppe
Die Brahmi-Gruppe verlor während der anschließenden Verzögerung somit weniger der zuvor gelernten Wortpaare. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant.
Die Studie zeigte daher einen möglichen Effekt auf das Behalten neu aufgenommener Informationen. Sie zeigte nicht, dass die Teilnehmer durch Brahmi von Beginn an mehr Informationen lernen konnten.
Aufnahme und Erlernen neuer Informationen
Bei den drei aufeinanderfolgenden Lerndurchgängen für die Wortpaare bestand kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen der Brahmi- und der Placebogruppe.
Die Studie zeigte somit keine Verbesserung der unmittelbaren Lernleistung oder der Geschwindigkeit, mit der neue Informationen aufgenommen wurden. Der beobachtete Effekt beschränkte sich auf eine geringere Vergessensrate nach dem Lernen.
Bestand der Wirkung nach dem Absetzen
Sechs Wochen nach dem Absetzen erreichten die Teilnehmer beim dritten Lerndurchgang durchschnittlich:
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3,32 Wortpaare in der Brahmi-Gruppe
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3,33 Wortpaare in der Placebogruppe
Beim anschließenden verzögerten Erinnern lagen die Werte bei:
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2,68 Wortpaaren in der Brahmi-Gruppe
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2,95 Wortpaaren in der Placebogruppe
Der zuvor festgestellte Vorteil der Brahmi-Gruppe war sechs Wochen nach dem Absetzen nicht mehr vorhanden. Die Studie zeigte daher keinen anhaltenden Gedächtniseffekt über das Ende der Einnahme hinaus.
Erinnerung an eine Geschichte
Die Teilnehmer hörten eine kurze Geschichte und sollten diese unmittelbar sowie nach einer Verzögerung wiedergeben.
Weder bei der unmittelbaren noch bei der verzögerten Erinnerung zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil der Brahmi-Gruppe.
Die Verbesserung bei den Wortpaaren ließ sich somit nicht auf eine zweite Aufgabe zur Speicherung und Erinnerung neuer Informationen übertragen.
Verbales Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis
Das verbale Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis wurde durch das Vorwärts- und Rückwärtswiederholen von Zahlenfolgen untersucht.
Die Studie zeigte in diesen Tests keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Brahmi und Placebo.
Visuelles Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis
Das visuelle Gedächtnis wurde mithilfe von vorwärts und rückwärts wiedergegebenen Blockfolgen untersucht.
Auch bei diesen Aufgaben zeigte die Studie keinen statistisch signifikanten Vorteil durch den Bacopa-monnieri-Extrakt.
Aufmerksamkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit
Die Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung wurden mit verschiedenen Buchstabenaufgaben untersucht. Die Teilnehmer mussten Buchstaben kopieren oder jeweils den vorherigen beziehungsweise folgenden Buchstaben eintragen.
Die Studie zeigte bei keiner dieser Aufgaben einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen Brahmi und Placebo.
Allgemeinwissen
Die Erinnerung an bereits vor der Studie vorhandenes Wissen wurde mithilfe von Fragen zum Allgemeinwissen erfasst.
Der Bacopa-monnieri-Extrakt führte in diesem Bereich zu keiner statistisch signifikanten Verbesserung.
Subjektive Gedächtnisleistung im Alltag
Die Teilnehmer bewerteten ihre alltägliche Gedächtnisleistung mithilfe eines Fragebogens.
Die Studie zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen der Brahmi- und der Placebogruppe. Der in einem Labortest beobachtete Vorteil spiegelte sich somit nicht in der subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisleistung im Alltag wider.
Depressive Symptome, Angst und Stress
Die psychische Verfassung wurde mit der Depression Anxiety Stress Scale erfasst.
Die Studie zeigte keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen Brahmi und Placebo bei depressiven Symptomen, Angst und Stress.
Die Untersuchung liefert damit keinen Nachweis für eine angstlösende oder stimmungsverbessernde Wirkung des verwendeten Extrakts.
Verträglichkeit
Von den acht Studienabbrüchen entfielen jeweils vier auf die Brahmi- und die Placebogruppe. Eine Person der Brahmi-Gruppe brach die Studie aufgrund einer Magen-Darm-Reaktion auf die Kapseln ab.
Zwei Teilnehmer der Placebogruppe beendeten die Studie aufgrund neu aufgetretener Erkrankungen. Bei den übrigen Teilnehmern wurden keine weiteren unerwünschten Reaktionen gemeldet.
Die Autoren weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass Nebenwirkungen nicht systematisch erfasst wurden. Die Studie erlaubt daher nur eine eingeschränkte Beurteilung der Verträglichkeit.
3. Fazit und Einordnung
Die Studie zeigte nach drei Monaten einen statistisch signifikanten Vorteil des Bacopa-monnieri-Extrakts beim verzögerten Erinnern zuvor gelernter Wortpaare. Die Teilnehmer der Brahmi-Gruppe vergaßen während der Verzögerung weniger der unmittelbar zuvor gelernten Informationen als die Teilnehmer der Placebogruppe.
Sechs Wochen nach dem Absetzen war der Vorteil beim Erinnern der Wortpaare nicht mehr vorhanden.
Für die Studie sprechen das randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Design, die dreimonatige Einnahmedauer und die Untersuchung verschiedener Gedächtnisbereiche.
Die Aussagekraft wird jedoch durch mehrere Punkte eingeschränkt:
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Es wurden nur 76 Teilnehmer ausgewertet.
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Die genaue Randomisierung und die verdeckte Gruppenzuteilung werden nicht beschrieben.
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Der Bacosidgehalt des Extrakts wird nicht angegeben.
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Die Verteilung der Teilnehmer auf die Dosierungen von 300 und 450 mg bleibt unklar.
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Effektstärken und Konfidenzintervalle fehlen.
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Das untersuchte Produkt wurde vom Hersteller KeenMind zur Verfügung gestellt.
Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass der einzige signifikante Befund aufgrund der zahlreichen untersuchten Endpunkte ein Zufallsergebnis beziehungsweise ein Fehler erster Art sein könnte.
Insgesamt liefert die Studie einen ersten klinischen Hinweis darauf, dass der untersuchte Bacopa-monnieri-Extrakt während der Einnahme das Vergessen bestimmter neu gelernter Informationen verringern könnte. Sie belegt jedoch keine allgemeine Verbesserung des Gedächtnisses, der Konzentration oder der psychischen Verfassung.