Brahmi und Gedächtnisleistung bei älteren Menschen

Brahmi und Gedächtnisleistung bei älteren Menschen

1. Studiendesign

Die 2010 veröffentlichte Studie untersuchte, ob ein standardisierter Extrakt aus Bacopa monnieri die Gedächtnisleistung gesunder älterer Menschen verbessern kann.

Insgesamt begannen 98 Personen im Alter zwischen 55 und 86 Jahren die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie. Das Durchschnittsalter betrug 65 Jahre. Die Teilnehmer wiesen weder eine Demenz noch eine Depression auf.

Die Teilnehmer erhielten über zwölf Wochen endwedr etäglich 300 mg eines standardisierten Brahmi Extraktes oder in der Kontrollgruppe ein optisch identisches Placebo.

Der verwendete 20:1-Extrakt war auf einen Gesamtgehalt von 40 bis 50 Prozent Bacosiden standardisiert. Eine Tablette entsprach laut Studie etwa sechs Gramm getrocknetem Pflanzenmaterial.

Die Gedächtnisleistung wurde vor Studienbeginn und nach zwölf Wochen untersucht. Erfasst wurden:

  • verbales Lernen und Erinnern,

  • visuelles Gedächtnis,

  • Verarbeitungsgeschwindigkeit und visuell-motorische Leistung sowie

  • subjektiv wahrgenommene Gedächtnisprobleme.

Von den 98 gestarteten Teilnehmern beendeten 81 die Studie. In der Bacopa-Gruppe schlossen 36 von 49 Personen die Studie ab, in der Placebogruppe 45 von 49.

2. Wirkung

Verbales Lernen

Die Studie zeigte in mehreren späteren Lerndurchgängen des Rey Auditory Verbal Learning Tests signifikante Unterschiede zugunsten der Bacopa-Gruppe.

Im vierten Lerndurchgang stieg die Zahl der erinnerten Wörter in der Bacopa-Gruppe von durchschnittlich 9,2 auf 10,7. In der Placebogruppe sank der Wert von 9,3 auf 9,0 Wörter (p < 0,001).

Im fünften Lerndurchgang erhöhte sich der Wert unter Bacopa von 10,3 auf 11,1 Wörter. Unter Placebo sank er von 10,0 auf 9,4 Wörter (p = 0,016).

Die über fünf Lerndurchgänge gebildete Gesamtpunktzahl stieg in der Bacopa-Gruppe von 41,4 auf 44,3 Punkte. In der Placebogruppe sank sie von 41,2 auf 39,4 Punkte (p = 0,011).

In den ersten drei Lerndurchgängen bestanden dagegen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Erinnern nach einer Ablenkungsaufgabe

Nach der Präsentation einer zweiten Wortliste sollten die Teilnehmer die zuvor gelernten Wörter erneut wiedergeben. In der Bacopa-Gruppe stieg die Zahl der erinnerten Wörter von 7,9 auf 9,8. In der Placebogruppe sank sie von 7,7 auf 7,2 Wörter. Der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant (p < 0,001).

Die Studie zeigte außerdem eine geringere Beeinträchtigung durch nachträglich präsentierte Informationen. Der entsprechende Wert für die retroaktive Interferenz verbesserte sich in der Bacopa-Gruppe von 2,4 auf 1,2 Punkte, während er in der Placebogruppe unverändert bei 2,2 Punkten blieb (p = 0,048). Bei diesem Parameter kennzeichnet ein niedrigerer Wert eine bessere Leistung.

Verzögertes Erinnern

Beim verzögerten Abruf nach 20 Minuten stieg die Zahl der erinnerten Wörter in der Bacopa-Gruppe von durchschnittlich 7,9 auf 9,6. In der Placebogruppe sank der Wert von 7,8 auf 6,8 Wörter. Der Unterschied zwischen den Gruppen war signifikant (p = 0,001).

Die Studie zeigte damit bei dieser Aufgabe einen Vorteil beim späteren Abruf zuvor gelernter Wörter.

Wiedererkennen und Vergessensrate

Bei der Wiedererkennung zuvor gelernter Wörter zeigte die Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Dies galt für die Zahl richtig erkannter Wörter, falsche Zuordnungen und die daraus berechnete Wiedererkennungsleistung.

Auch bei der Vergessensrate und der Beeinträchtigung des Lernens durch zuvor präsentierte Informationen wurden keine signifikanten Unterschiede festgestellt.

Visuelles Gedächtnis

Beim Kopieren und späteren Erinnern einer komplexen geometrischen Figur verbesserten sich teilweise beide Gruppen. Die Studie zeigte jedoch keinen signifikanten Vorteil der Bacopa-Gruppe gegenüber Placebo.

Bereits vor der Behandlung schnitt die Bacopa-Gruppe bei den visuellen Erinnerungsaufgaben signifikant besser ab als die Placebogruppe. Die Ursache dieses Ausgangsunterschieds blieb ungeklärt und erschwert die Interpretation dieser Ergebnisse.

Verarbeitungsgeschwindigkeit

Beim Trail Making Test wurden keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt. Die Studie zeigte somit keinen belegten Vorteil bei Verarbeitungsgeschwindigkeit, visueller Suche oder visuell-motorischer Leistung.

Subjektiv wahrgenommenes Gedächtnis

Die subjektiven Gedächtnisbeschwerden nahmen in beiden Gruppen ab. Der MAC-Q-Wert sank in der Bacopa-Gruppe von 25,9 auf 22,4 und in der Placebogruppe von 26,4 auf 24,7 Punkte. Der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant (p = 0,116).

Die objektiv gemessenen Vorteile bei einzelnen verbalen Gedächtnisaufgaben spiegelten sich somit nicht in einer signifikant verbesserten subjektiven Gedächtniswahrnehmung wider.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen

Magen-Darm-Beschwerden traten in der Bacopa-Gruppe deutlich häufiger auf als unter Placebo:

  • Eine erhöhte Stuhlfrequenz wurde von 15 der 49 Bacopa-Teilnehmer und von einem der 49 Placebo-Teilnehmer berichtet (p < 0,001).

  • Übelkeit trat bei neun Personen unter Bacopa und bei einer Person unter Placebo auf (p = 0,007).

  • Bauchkrämpfe wurden von acht Personen in der Bacopa-Gruppe und von keiner Person in der Placebogruppe gemeldet (p = 0,003).

Neun Teilnehmer der Bacopa-Gruppe und zwei Teilnehmer der Placebogruppe brachen die Studie wegen Nebenwirkungen ab. Insgesamt schieden 13 Personen aus der Bacopa-Gruppe und vier Personen aus der Placebogruppe vorzeitig aus.

3. Fazit und Einordnung

Die Studie zeigte nach zwölf Wochen Vorteile bei mehreren Aufgaben zum verbalen Lernen und Erinnern. Signifikante Unterschiede wurden bei späteren Lerndurchgängen, der Gesamtlernleistung, dem Abruf nach einer Ablenkungsaufgabe und dem verzögerten Erinnern nach 20 Minuten festgestellt.

Keine signifikanten Vorteile zeigte die Studie bei der Wiedererkennung gelernter Wörter, der allgemeinen Vergessensrate, dem visuellen Gedächtnis, der Verarbeitungsgeschwindigkeit oder den subjektiv wahrgenommenen Gedächtnisbeschwerden.

Die Aussagekraft wird vor allem durch die ungleich verteilten Studienabbrüche eingeschränkt. Nur 36 von 49 Teilnehmern der Bacopa-Gruppe, aber 45 von 49 Teilnehmern der Placebogruppe wurden abschließend ausgewertet.

Die Studie liefert damit Hinweise auf Verbesserungen bestimmter Bereiche des verbalen Lernens und Erinnerns bei gesunden älteren Menschen. Gleichzeitig zeigte sie eine vergleichsweise hohe Häufigkeit von Magen-Darm-Beschwerden und erlaubt keine Aussage über Menschen mit Demenz oder anderen neurodegenerativen Erkrankungen.

Quelle: Morgan A., Stevens J. (2010): Does Bacopa monnieri Improve Memory Performance in Older Persons? Results of a Randomized, Placebo-Controlled, Double-Blind Trial. The Journal of Alternative and Complementary Medicine, 16(7), 753–759. https://doi.org/10.1089/acm.2009.0342

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