Shatavari und Milchbildung bei stillenden Müttern

Shatavari und Milchbildung bei stillenden Müttern

1. Studiendesign

In der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie wurde untersucht, ob Shatavari die Milchbildung bei stillenden Müttern unterstützen kann. Die Studie wurde an einem Krankenhaus in Kolkata durchgeführt. Das durchschnittliche Alter der Mütter betrug 25,6 Jahre, das der Säuglinge 2,8 Monate.

Die Teilnehmerinnen waren zwischen 20 und 40 Jahre alt und stillten ein höchstens sechs Monate altes Kind. Für die Aufnahme genügte mindestens eines mehrerer Merkmale, darunter eine als unzureichend wahrgenommene Milchbildung, Weinen des Kindes nach dem Stillen, Brustschmerzen, Appetitlosigkeit oder eine möglicherweise die Milchbildung beeinträchtigende Angststörung.

Die Frauen erhielten über 30 Tage entweder:

  • Shatavari-Wurzelpulver: 60 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag oder
  • Placebo: die gleiche Menge Reispulver.

Die Tagesdosis wurde auf drei Einnahmen verteilt und jeweils zusammen mit Milch eingenommen. Die Zuteilung erfolgte anhand computergenerierter Zufallszahlen. Die behandelnden Prüfärzte kannten die Gruppenzuordnung bis zum Abschluss der Untersuchung nicht.

Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung des Prolaktinspiegels im Blut untersucht. Prolaktin ist ein Hormon, das an der Bildung und Abgabe von Muttermilch beteiligt ist. Zusätzlich erfassten die Forschenden das Gewicht der Mütter und Säuglinge sowie die von den Müttern bewertete Zufriedenheit mit der Milchbildung und das wahrgenommene Wohlbefinden der Kinder.

Die Angaben zur Teilnehmerzahl sind innerhalb der Publikation widersprüchlich: Einerseits werden 60 randomisierte Frauen genannt, andererseits wird von zehn ausgeschlossenen Teilnehmerinnen berichtet. In der Ergebnistabelle findet sich zusätzlich die Angabe „n = 20“. Die tatsächlich in die statistische Auswertung einbezogene Personenzahl lässt sich deshalb nicht eindeutig bestimmen.

2. Studienergebnisse

Prolaktinspiegel

Nach 30 Tagen war der durchschnittliche Prolaktinspiegel in der Shatavari-Gruppe um 32,87 ± 6,48 % gestiegen. In der Placebogruppe betrug der Anstieg 9,56 ± 4,57 %.

Damit fiel der prozentuale Anstieg in der Shatavari-Gruppe mehr als dreimal so hoch aus wie unter Placebo. Der Unterschied wurde als statistisch signifikant angegeben (p < 0,05).

Die Studie zeigte somit einen deutlichen Unterschied bei einem Hormon, das für die Milchbildung relevant ist. Die tatsächlich produzierte oder vom Säugling aufgenommene Milchmenge wurde jedoch nicht direkt gemessen.

Gewicht der Säuglinge

Das durchschnittliche Gewicht der Säuglinge nahm in der Shatavari-Gruppe um 16,13 ± 3,65 % zu. In der Placebogruppe betrug die Gewichtszunahme 5,68 ± 2,57 %.

Auch dieser Unterschied wurde als statistisch signifikant angegeben (p < 0,05).

Gewicht der Mütter

Bei den Müttern erhöhte sich das durchschnittliche Körpergewicht in der Shatavari-Gruppe um 3,78 ± 0,68 %. In der Placebogruppe lag die Zunahme bei 1,37 ± 0,44 %.

Der Unterschied zwischen den Gruppen wurde ebenfalls als statistisch signifikant bewertet (p < 0,05). Die Studie erklärt jedoch nicht näher, wie diese Gewichtszunahme klinisch einzuordnen ist.

Zufriedenheit mit der Milchbildung

Die subjektive Zufriedenheit der Mütter wurde auf einer Skala von 1 bis 5 erfasst. In der Shatavari-Gruppe erhöhte sich die Bewertung durchschnittlich um 1,54 ± 0,28 Punkte, in der Placebogruppe um 0,48 ± 0,33 Punkte.

Die stärkere Verbesserung in der Shatavari-Gruppe war laut Studie statistisch signifikant (p < 0,05).

Wohlbefinden der Säuglinge

Das von den Müttern bewertete Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Säuglinge verbesserten sich in der Shatavari-Gruppe durchschnittlich um 1,27 ± 0,45 Punkte. In der Placebogruppe betrug die Veränderung 0,29 ± 0,23 Punkte.

Auch dieser Unterschied wurde als statistisch signifikant angegeben (p < 0,05). Da die Einschätzung durch die Mütter erfolgte, handelt es sich allerdings um einen subjektiven Endpunkt.

Sicherheit

Ergänzend führten die Forschenden einen akuten Toxizitätstest an Mäusen durch. Kurzfristig wurden keine Anzeichen einer oralen Toxizität beobachtet. Bei der höchsten untersuchten Dosierung von 5.000 mg pro Kilogramm Körpergewicht wurde in der längerfristigen Beobachtung jedoch Mortalität festgestellt.

Für die stillenden Frauen enthält die Publikation keine systematische Darstellung der aufgetretenen Nebenwirkungen. Aus der Studie lassen sich daher nur eingeschränkte Aussagen zur Sicherheit beim Menschen ableiten.

3. Fazit und Einordnung

Die Studie zeigte, dass die 30-tägige Einnahme von gewichtsabhängig dosiertem Shatavari-Wurzelpulver bei stillenden Müttern mit einem deutlich stärkeren Anstieg des Prolaktinspiegels verbunden war als die Einnahme eines Placebos. Auch die Gewichtszunahme der Säuglinge sowie die subjektive Zufriedenheit der Mütter und das von ihnen bewertete Wohlbefinden der Kinder entwickelten sich in der Shatavari-Gruppe stärker.

Die Ergebnisse liefern damit einen ersten klinischen Hinweis auf eine mögliche Unterstützung der Milchbildung. Die tatsächlich produzierte Milchmenge wurde jedoch nicht gemessen. Darüber hinaus begrenzen die kurze Studiendauer, die subjektiven Endpunkte, die widersprüchlichen Teilnehmerzahlen und die fehlende ausführliche Dokumentation von Nebenwirkungen die Aussagekraft.

Untersucht wurde außerdem reines, gewichtsabhängig dosiertes Shatavari-Wurzelpulver und kein standardisierter Extrakt. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht unmittelbar auf anders zusammengesetzte Shatavari-Produkte oder eine feste Extraktdosis übertragen.

Quelle: Gupta, M. & Shaw, B. (2011). A Double-Blind Randomized Clinical Trial for Evaluation of Galactogogue Activity of Asparagus racemosus Willd. Iranian Journal of Pharmaceutical Research, 10(1), 167–172. DOI: 10.22037/ijpr.2010.874

Zurück zum Blog