Shatavari bei Frauen mit geringer sexueller Lust

Shatavari bei Frauen mit geringer sexueller Lust

1. Studiendesign

Satla, Mudhigonda und Surampalli untersuchten 2026 die Sicherheit und Wirksamkeit eines standardisierten Shatavari-Wurzelextrakts bei Frauen mit geringer sexueller Lust. Die Studie wurde im Journal of Medicine and Life veröffentlicht.

An der randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Studie nahmen 70 Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren teil. Die Teilnehmerinnen berichteten seit mindestens drei Monaten über eine verringerte sexuelle Lust, lebten seit mindestens sechs Monaten in einer festen Partnerschaft und hatten regelmäßige Menstruationszyklen.

Die Frauen erhielten über 56 Tage täglich entweder:

  • 300 mg Shatavari-Wurzelextrakt, standardisiert auf 5 % Shatavarine, oder

  • 300 mg mikrokristalline Cellulose als Placebo.

Das untersuchte Präparat wurde unter dem Namen ASPURUS® vom Studiensponsor Waleria Healthtech hergestellt. Drei Frauen brachen die Studie vorzeitig ab. 67 Teilnehmerinnen beendeten die Untersuchung: 34 in der Shatavari-Gruppe und 33 in der Placebogruppe.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des Female Sexual Function Index, kurz FSFI. Der Fragebogen erfasst sexuelles Verlangen, Erregung, Lubrikation, Orgasmus, Zufriedenheit und Schmerzen. Höhere Werte zeigen eine bessere sexuelle Funktion an.

Zusätzlich untersuchte die Studie:

  • Qualität und Zufriedenheit sexueller Begegnungen,

  • Häufigkeit und Verlauf sexueller Aktivitäten,

  • vaginale Feuchtigkeit,

  • Müdigkeit,

  • Schlafstörungen,

  • Angst- und Depressionssymptome,

  • Estradiol, Prolaktin, Cortisol, DHEA-S und freies Testosteron,

  • Leberwerte, Vitalparameter und unerwünschte Ereignisse.

2. Wirkung auf die sexuelle Funktion

Gesamter FSFI-Wert

Der FSFI-Gesamtwert entwickelte sich nach den Ergebnistabellen folgendermaßen:

  • Ausgangswert: 14,70 unter Shatavari und 15,18 unter Placebo

  • Tag 28: 20,76 unter Shatavari und 14,39 unter Placebo

  • Tag 56: 24,69 unter Shatavari und 14,03 unter Placebo

Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren an Tag 28 und Tag 56 statistisch signifikant (jeweils p < 0,001). Der Tabellenwert entspricht in der Shatavari-Gruppe einer Zunahme um 67,96 %. In der Placebogruppe nahm der FSFI-Wert dagegen um rund 7,6 % ab.

Sexuelles Verlangen, Erregung und Lubrikation

Die Ergebnistabelle zeigte an Tag 56 für alle FSFI-Bereiche höhere Werte in der Shatavari-Gruppe:

  • sexuelles Verlangen: 8,53 gegenüber 5,79

  • sexuelle Erregung: 11,20 gegenüber 5,42

  • Lubrikation: 10,44 gegenüber 5,52

  • Orgasmus: 11,09 gegenüber 6,21

  • Zufriedenheit: 11,97 gegenüber 6,67

  • Schmerz: 10,00 gegenüber 5,33

Alle Unterschiede waren mit p < 0,001 statistisch signifikant.

Die Werte können allerdings nicht eindeutig anhand der im Methodenteil beschriebenen FSFI-Auswertung interpretiert werden. Laut Methodenteil besitzen die einzelnen Bereiche Maximalwerte von sechs Punkten. Mehrere der veröffentlichten Ergebnisse liegen deutlich über diesem Höchstwert. Offenbar wurden in der Tabelle ungewichtete Rohwerte verwendet, ohne dies nachvollziehbar zu erläutern.

Vaginale Feuchtigkeit

Die vaginale Feuchtigkeit wurde mit einem modifizierten Schirmer-Test gemessen. Dabei wird die benetzte Länge eines Teststreifens in Millimetern bestimmt.

Die Werte entwickelten sich folgendermaßen:

  • Ausgangswert: 8,31 mm unter Shatavari und 8,60 mm unter Placebo

  • Tag 28: 10,29 mm gegenüber 8,41 mm; p = 0,007

  • Tag 56: 13,53 mm gegenüber 8,12 mm; p < 0,001

Die Studie zeigte damit eine Zunahme der gemessenen vaginalen Feuchtigkeit um 62,82 % in der Shatavari-Gruppe. In der Placebogruppe sank der Wert um 5,58 %.

Qualität sexueller Begegnungen

Die mit dem Female Sexual Encounter Profile-Revised erfassten Werte entwickelten sich folgendermaßen:

  • Ausgangswert: 10,34 unter Shatavari und 11,49 unter Placebo

  • Tag 28: 14,49 gegenüber 11,91; p = 0,03

  • Tag 56: 16,74 gegenüber 12,00; p = 0,001

Dies entsprach laut Studie einer Verbesserung um 61,9 % unter Shatavari und um 4,44 % unter Placebo.

Tagebuch sexueller Ereignisse

Das tägliche Ereignistagebuch zeigte in der Shatavari-Gruppe nach einem und zwei Monaten mehr Tage mit versuchter sexueller Aktivität und Penetration. Auch sexuelles Verlangen, Lubrikation und Zufriedenheit lagen zu beiden Zeitpunkten signifikant über den Werten der Placebogruppe.

Bei der Orgasmushäufigkeit bestand nach einem Monat noch kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen (p = 0,34). Nach zwei Monaten war der Unterschied signifikant (p < 0,001).

Auch bei der Partnerzufriedenheit bestand nach einem Monat kein signifikanter Unterschied (p = 0,10). Nach zwei Monaten lag der Wert in der Shatavari-Gruppe signifikant höher (p < 0,001).

Schmerzen beziehungsweise Beschwerden während sexueller Aktivitäten waren zu beiden Zeitpunkten in der Shatavari-Gruppe geringer als unter Placebo (p = 0,01).

Wirkung auf Müdigkeit

Der mit der Fatigue Severity Scale erfasste Müdigkeitswert entwickelte sich folgendermaßen:

  • Ausgangswert: 38,57 unter Shatavari und 39,57 unter Placebo

  • Tag 28: 27,06 gegenüber 40,76; p < 0,001

  • Tag 56: 15,41 gegenüber 41,33; p < 0,001

Die Studie zeigte damit eine Abnahme der Müdigkeit um 60,05 % in der Shatavari-Gruppe. In der Placebogruppe stieg der Wert rechnerisch um etwa 4,45 %.

Wirkung auf Schlafstörungen

Der PROMIS (Patient-Reported Outcomes Information System)-Schlafstörungswert sank in der Shatavari-Gruppe:

  • Ausgangswert: 66,46 unter Shatavari und 66,75 unter Placebo

  • Tag 28: 55,32 gegenüber 66,50; p < 0,001

  • Tag 56: 51,95 gegenüber 66,79; p < 0,001

Da niedrigere Werte eine geringere Schlafstörung anzeigen, entsprach dies einer Verbesserung um 21,83 % in der Shatavari-Gruppe. In der Placebogruppe blieb der Wert praktisch unverändert.

Wirkung auf Angst- und Depressionssymptome

Der HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale)-Gesamtwert lag zu Studienbeginn bei 11,89 in der Shatavari-Gruppe und bei 12,00 in der Placebogruppe.

An Tag 56 lag der Wert bei:

  • 8,94 unter Shatavari

  • 12,85 unter Placebo

  • Gruppenvergleich: p < 0,001

Die Studie zeigte damit eine Abnahme der mit HADS erfassten psychischen Symptombelastung um 24,81 % unter Shatavari. In der Placebogruppe stieg der Wert um 7,08 %.

Die Studie untersuchte Frauen ohne diagnostizierte mittelschwere oder schwere psychiatrische Erkrankungen. Die Ergebnisse belegen daher keine Behandlung von Angststörungen oder Depressionen.

Wirkung auf hormonelle Parameter

Estradiol

Der Estradiolwert stieg in der Shatavari-Gruppe von 16,35 auf 22,02. In der Placebogruppe veränderte er sich von 15,25 auf 15,57. Der Unterschied an Tag 56 war statistisch signifikant (p < 0,001).

Die Einheit wird innerhalb der Publikation widersprüchlich als pg/ml und ng/ml angegeben.

Prolaktin

Der Prolaktinwert sank unter Shatavari von 28,10 auf 21,21 ng/ml. Unter Placebo sank er von 27,53 auf 26,98 ng/ml. Der Unterschied an Tag 56 war statistisch signifikant (p < 0,001).

Cortisol

Laut Ergebnistabelle sank der Cortisolwert unter Shatavari von 5,82 auf 3,96 µg/dl. In der Placebogruppe veränderte er sich von 5,70 auf 5,83 µg/dl. Der Unterschied an Tag 56 war statistisch signifikant (p < 0,001).

Im Fließtext werden für Cortisol teilweise andere Werte angegeben. Die dort genannten Placebowerte von 4,30 und 4,15 µg/dl stimmen nicht mit der Ergebnistabelle überein.

DHEA-S

Der DHEA-S-Wert stieg unter Shatavari von 51,42 auf 59,13 µg/dl. In der Placebogruppe stieg er von 48,20 auf 49,47 µg/dl.

Die Ergebnistabelle nennt für den Gruppenvergleich an Tag 56 einen p-Wert von 0,03. Der Fließtext nennt dagegen p < 0,001. Die statistische Angabe ist daher widersprüchlich.

Freies Testosteron

Das freie Testosteron stieg unter Shatavari von 7,75 auf 8,53. Unter Placebo stieg es von 8,02 auf 8,14.

Die Ergebnistabelle weist für den Vergleich zwischen den Gruppen an Tag 56 einen p-Wert von 0,062 aus. Damit bestand kein statistisch signifikanter Unterschied.

Die hormonellen Ergebnisse sind zusätzlich dadurch eingeschränkt, dass die Phase des Menstruationszyklus bei den Blutentnahmen nicht systematisch kontrolliert wurde.

Sicherheit und Verträglichkeit

Während der achtwöchigen Studie traten keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse auf. Zwei Teilnehmerinnen berichteten vorübergehend über leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchbeschwerden, Blähungen oder weichen Stuhl. Die Publikation gibt nicht eindeutig an, welcher Behandlungsgruppe diese Teilnehmerinnen angehörten.

Die Beschwerden klangen ohne Behandlung ab und führten nicht zum Studienabbruch. Die drei Studienabbrüche standen laut Publikation nicht mit unerwünschten Ereignissen in Verbindung.

Bei Albumin, alkalischer Phosphatase, ALT, AST, GGT und Bilirubin bestanden nach 56 Tagen keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Auch Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Atemfrequenz unterschieden sich am Studienende nicht signifikant.

Die Studie zeigte damit eine gute kurzfristige Verträglichkeit des untersuchten Extrakts bei den teilnehmenden Frauen. Aussagen zur langfristigen Sicherheit sind aufgrund der Studiendauer nicht möglich.

3. Fazit und Einordnung

Die Ergebnistabellen zeigen nach 56 Tagen deutliche Unterschiede zugunsten des untersuchten Shatavari-Extrakts beim FSFI-Gesamtwert, bei der vaginalen Feuchtigkeit, bei Müdigkeit, Schlafstörungen und der mit HADS erfassten psychischen Symptombelastung.

Auch das Tagebuch sexueller Ereignisse zeigte Unterschiede bei sexueller Aktivität, Verlangen, Lubrikation, Zufriedenheit und Schmerzen. Bei Orgasmushäufigkeit und Partnerzufriedenheit traten signifikante Unterschiede erst nach zwei Monaten auf.

Bei Estradiol, Prolaktin und Cortisol zeigten die Ergebnistabellen signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Für DHEA-S werden unterschiedliche p-Werte genannt. Beim freien Testosteron war der Gruppenunterschied laut Tabelle nicht signifikant.

Das randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Design, die verdeckte Gruppenzuteilung und die zusätzliche objektive Messung der vaginalen Feuchtigkeit sind Stärken der Untersuchung. Die Aussagekraft wird jedoch durch mehrere Faktoren eingeschränkt:

  • Die Studie wurde nur an einem Zentrum durchgeführt.

  • Die Behandlungsdauer betrug lediglich acht Wochen.

  • Die Teilnehmerinnen hatten selbstberichtete geringe sexuelle Lust, aber nicht durchgehend eine klar diagnostizierte hypoaktive sexuelle Luststörung.

  • Partnerbezogene Einflussfaktoren wurden nicht systematisch erfasst.

  • Die Phase des Menstruationszyklus wurde bei den Hormonmessungen nicht kontrolliert.

  • Die Publikation bezeichnet die primäre Analyse als Intent-to-treat-Auswertung mit 70 Frauen, die Ergebnistabellen beruhen jedoch auf den 67 Studienabschließerinnen.

  • Trotz der Vielzahl sekundärer Endpunkte ist keine übergreifende Korrektur für multiples Testen nachvollziehbar.

  • Die Studie wurde vom Hersteller des untersuchten Extrakts finanziert.

Insgesamt zeigt die Studie ein auffälliges Wirksamkeitssignal für den konkret untersuchten, auf 5 % Shatavarine standardisierten Extrakt. Die Begrenzugen reduzieren die Verlässlichkeit der Ergebnisse allerdings erheblich. Die Studie sollte daher als vorläufiger Hinweis und nicht als abschließender Nachweis für eine Verbesserung der weiblichen Sexualfunktion betrachtet werden.

Quelle

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