Shatavari-Extrakt bei Wechseljahresbeschwerden

Shatavari-Extrakt bei Wechseljahresbeschwerden

1. Studiendesign

Gudise et al. untersuchten die Wirksamkeit und Sicherheit eines standardisierten Shatavari-Wurzelextrakts bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden.

Die Studie war randomisiert, doppelblind, placebokontrolliert und wurde an zwei Studienzentren in Indien durchgeführt. Eingeschlossen wurden 70 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren vor oder nach der Menopause.

Die Teilnehmerinnen erhielten über 60 Tage entweder z:weimal täglich 250 mg Shatavari-Wurzelextrakt, also insgesamt 500 mg täglich bzw. die Kontrollgruppe erhielt zweimal täglich ein Placebo aus mikrokristalliner Cellulose.

Der verwendete Extrakt war auf 5 % Gesamt-Shatavarine standardisiert.

Von den 70 randomisierten Frauen wurden 68 ausgewertet: 35 in der Shatavari-Gruppe und 33 in der Placebogruppe. Zwei Teilnehmerinnen der Placebogruppe gingen während der Nachbeobachtung verloren.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung der Lebensqualität anhand der Utian Quality of Life Scale. Zusätzlich untersuchte die Studie depressive Symptome, Angst, Stress, Schlaf, verschiedene Wechseljahresbeschwerden, Estradiol, Progesteron, Therapiezufriedenheit und unerwünschte Ereignisse.

2. Wirkung

Lebensqualität

Der Gesamtwert der Utian Quality of Life Scale stieg in der Shatavari-Gruppe von 70,97 Punkten zu Studienbeginn auf 87,43 Punkte nach 30 Tagen und auf 95,91 Punkte nach 60 Tagen. Das entsprach nach 60 Tagen einer Zunahme um 24,94 Punkte beziehungsweise 35,13 %.

In der Placebogruppe sank der Gesamtwert dagegen von 70,09 auf 66,97 Punkte. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren nach 30 und 60 Tagen statistisch signifikant.

Nach 60 Tagen zeigte die Shatavari-Gruppe auch in allen vier Teilbereichen höhere Werte als die Placebogruppe:

  • berufliche Lebensqualität: 29,20 gegenüber 22,73 Punkten
  • gesundheitliche Lebensqualität: 25,60 gegenüber 18,30 Punkten
  • emotionale Lebensqualität: 27,31 gegenüber 17,97 Punkten
  • sexuelle Lebensqualität: 13,80 gegenüber 7,97 Punkten

Alle Unterschiede waren nach 60 Tagen statistisch signifikant. Bei der beruflichen Lebensqualität bestand nach 30 Tagen dagegen noch kein signifikanter Unterschied.

Depressive Symptome, Angst und Stress

Die mit der DASS-21 erfassten Beschwerden nahmen in der Shatavari-Gruppe deutlich ab. Niedrigere Werte stehen bei dieser Skala für weniger Beschwerden.

Nach 60 Tagen veränderten sich die Werte folgendermaßen:

  • depressive Symptome: von 30,51 auf 14,00 Punkte
  • Angst: von 30,34 auf 13,60 Punkte
  • Stress: von 31,89 auf 14,97 Punkte

In der Placebogruppe stiegen die Werte im gleichen Zeitraum:

  • depressive Symptome: von 29,88 auf 33,27 Punkte
  • Angst: von 31,70 auf 36,06 Punkte
  • Stress: von 31,52 auf 34,12 Punkte

Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren nach 30 und 60 Tagen jeweils statistisch signifikant.

Die Studie untersuchte jedoch keine Frauen mit einer klinisch diagnostizierten depressiven Erkrankung. Erfasst wurden depressive Symptome im Zusammenhang mit Wechseljahresbeschwerden. Aus den Ergebnissen lässt sich daher keine Wirksamkeit von Shatavari zur Behandlung einer Depression ableiten.

Schlaf und Schlaflosigkeit

Der Gesamtwert der Regensburg Insomnia Scale sank in der Shatavari-Gruppe von 20,77 auf 12,23 Punkte. Dies entsprach einer Abnahme um 8,54 Punkte beziehungsweise 41 %.

In der Placebogruppe stieg der Wert dagegen von 21,42 auf 25,61 Punkte beziehungsweise um 19,56 %. Niedrigere Werte stehen bei dieser Skala für geringere Schlafprobleme.

Nach 60 Tagen zeigten sich in der Shatavari-Gruppe außerdem niedrigere Werte für:

  • geringe Schlaftiefe
  • geringe Schlafqualität
  • ängstliche Beschäftigung mit der Schlaflosigkeit
  • Schlafmittelgebrauch und eingeschränkte Leistungsfähigkeit am Tag

Die Unterschiede zur Placebogruppe waren nach 60 Tagen statistisch signifikant. Die Autoren berichten außerdem über eine kürzere Einschlafzeit und eine längere Schlafdauer, veröffentlichen dafür jedoch keine konkreten Zahlen.

Hitzewallungen

Zu Studienbeginn berichteten alle 35 Frauen der Shatavari-Gruppe und alle 33 Frauen der Placebogruppe über Hitzewallungen.

Nach 60 Tagen waren noch vier Frauen der Shatavari-Gruppe und 19 Frauen der Placebogruppe betroffen.

Die durchschnittliche Zahl der täglichen Hitzewallungen sank:

  • in der Shatavari-Gruppe von 1,97 auf 0,14
  • in der Placebogruppe von 2,00 auf 1,18

Der Unterschied zwischen den Gruppen war nach 30 und 60 Tagen statistisch signifikant.

Nachtschweiß

In der Shatavari-Gruppe sank die Zahl der von Nachtschweiß betroffenen Frauen von 16 auf zwei. In der Placebogruppe sank sie von 27 auf 17.

Die durchschnittliche Zahl der täglichen Episoden verringerte sich:

  • in der Shatavari-Gruppe von 0,77 auf 0,06
  • in der Placebogruppe von 1,52 auf 1,06

Bereits zu Studienbeginn bestand allerdings ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. In der Shatavari-Gruppe waren deutlich weniger Frauen von Nachtschweiß betroffen. Dieser Ausgangsunterschied erschwert die Interpretation des Behandlungseffekts.

Sorgen, Nervosität und Angstgefühle

Nach 60 Tagen berichteten sechs von 35 Frauen der Shatavari-Gruppe und 21 von 33 Frauen der Placebogruppe über entsprechende Beschwerden.

Die durchschnittliche Zahl der täglichen Episoden sank:

  • in der Shatavari-Gruppe von 2,57 auf 0,34
  • in der Placebogruppe von 2,36 auf 1,06

Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant.

Müdigkeit und allgemeine Schwäche

Nach 60 Tagen berichteten zwei Frauen der Shatavari-Gruppe und 23 Frauen der Placebogruppe weiterhin über Müdigkeit oder allgemeine Schwäche.

Die durchschnittliche Zahl der täglichen Müdigkeitsepisoden sank:

  • in der Shatavari-Gruppe von 2,69 auf 0,06
  • in der Placebogruppe von 2,64 auf 1,03

Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch signifikant.

Schlafstörungen als Wechseljahressymptom

Nach 60 Tagen berichteten fünf Frauen der Shatavari-Gruppe und 27 Frauen der Placebogruppe weiterhin über Schlaflosigkeit, Schlafmangel oder gestörten Schlaf. Auch dieser Unterschied war statistisch signifikant.

Die Autoren berichten außerdem über Verbesserungen bei Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, Scheidentrockenheit und Harninkontinenz. Für diese Endpunkte enthält der Artikel jedoch keine vollständige Darstellung der Messwerte und statistischen Vergleiche.

Estradiol und Progesteron

Nach 60 Tagen bestand laut Studie ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen bei Estradiol und Progesteron.

Gleichzeitig schreiben die Autoren ausdrücklich, dass sich weder in der Shatavari-Gruppe noch in der Placebogruppe die durchschnittlichen Estradiol- und Progesteronwerte gegenüber dem Ausgangswert signifikant verändert hatten. Die konkreten Hormonwerte werden nicht angegeben.

Die Aussage der Autoren, Shatavari habe die Hormone „ausgeglichen“ und die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse reguliert, wird durch die veröffentlichten Hormonwerte daher nicht ausreichend belegt.

Therapiezufriedenheit

Nach 60 Tagen waren 30 von 35 Frauen der Shatavari-Gruppe zufrieden oder sehr zufrieden mit der Behandlung. In der Placebogruppe traf dies auf zwei von 33 Frauen zu.

Keine Frau der Shatavari-Gruppe war unzufrieden. In der Placebogruppe waren neun Frauen unzufrieden.

Verträglichkeit

Nach der Ergebnistabelle berichteten vier von 35 Frauen der Shatavari-Gruppe und fünf von 33 Frauen der Placebogruppe über unerwünschte Ereignisse.

Erfasst wurden:

  • Schwindel bei einer Frau der Shatavari-Gruppe, sowie Blähungen bei vier Frauen
  • Bei der Placebogruppe bei einer Frau Übelkeit, und Blähungen bei fünf Frauen

Bei Blutdruck, Puls, Körpertemperatur und Atemfrequenz zeigten sich keine signifikanten Veränderungen.

3. Fazit und Einordnung

Die Studie zeigte nach 60 Tagen deutliche Unterschiede zugunsten des Shatavari-Extrakts bei Lebensqualität, depressiven Symptomen, Angst, Stress, Schlaf, Hitzewallungen, Müdigkeit und mehreren weiteren Wechseljahresbeschwerden.

Für die Studie sprechen das randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Design sowie die Verwendung eines standardisierten Extrakts. Die Ergebnisse liefern damit ein interessantes klinisches Signal für den untersuchten Shatavari-Extrakt bei Wechseljahresbeschwerden.

Die Aussagekraft wird jedoch durch mehrere Punkte eingeschränkt:

  • Mit 68 ausgewerteten Teilnehmerinnen war die Studie klein.
  • Die Behandlungsdauer betrug nur 60 Tage.
  • Die meisten Ergebnisse beruhten auf subjektiven Fragebögen.
  • Konfidenzintervalle und standardisierte Effektstärken fehlen.
  • Der Hersteller stellte das untersuchte Produkt zur Verfügung; die Autoren erklärten zugleich, keine finanzielle Unterstützung und keine Interessenkonflikte erhalten zu haben.

Insgesamt liefert die Studie vielversprechende, aber noch vorläufige Ergebnisse. Sie unterstützt die weitere Untersuchung des standardisierten Shatavari-Extrakts bei Wechseljahresbeschwerden, reicht allein jedoch nicht aus, um eine gesicherte Wirksamkeit oder eine hormonregulierende Wirkung festzustellen. Größere, unabhängig durchgeführte und länger dauernde Studien sind erforderlich.


Quelle: Gudise VS, Dasari MP, Kuricheti SSK. Efficacy and Safety of Shatavari Root Extract for the Management of Menopausal Symptoms: A Double-Blind, Multicenter, Randomized Controlled Trial. Cureus. 2024;16(4):e57879. DOI: 10.7759/cureus.57879

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