Shatavari und sexuelle Gesundheit bei Frauen

Shatavari und sexuelle Gesundheit bei Frauen

1. Studiendesign

Die 2026 veröffentlichte Studie untersuchte die Wirkung eines standardisierten Shatavari-Wurzelextrakts auf die sexuelle Gesundheit von Frauen. Es handelte sich um eine prospektive, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie mit drei parallelen Gruppen.

Insgesamt wurden 135 Frauen zwischen 18 und 55 Jahren aufgenommen. Voraussetzung war unter anderem die Bereitschaft zu mindestens vier Versuchen sexuellen Verkehrs pro Monat. Eine diagnostizierte sexuelle Funktionsstörung war dagegen kein ausdrückliches Einschlusskriterium.

Die Teilnehmerinnen erhielten acht Wochen lang einmal täglich:

  • 300 mg Shatavari-Wurzelextrakt,

  • 300 mg Shatavari-Wurzelextrakt in Kombination mit 250 mg Ashwagandha-Wurzelextrakt oder

  • 300 mg Stärke als Placebo.

Der verwendete Shatavari-Extrakt besaß ein Drogen-Extrakt-Verhältnis von 13:1 und war auf mehr als 10 % Gesamt-Shatavarin standardisiert.

135 Teilnehmerinnen wurden randomisiert. Acht Frauen gingen im Studienverlauf für die Nachuntersuchung verloren. Die Wirksamkeitsanalyse umfasste deshalb 127 Teilnehmerinnen: 41 in der Shatavari-Gruppe, 44 in der Kombinationsgruppe und 42 in der Placebogruppe.

Als primärer Endpunkt wurde die sexuelle Funktion mit dem Female Sexual Function Index erfasst. Zusätzlich wurden sexuelle Aktivität, sexuell bedingter Leidensdruck, Stimmung, Glücksempfinden, Schlafqualität, Sexualhormone und Sicherheitsparameter untersucht.

2. Wirkung auf die sexuelle Funktion

Nach acht Wochen erhöhte sich der Gesamtwert des Female Sexual Function Index in der Shatavari-Gruppe um durchschnittlich 5,31 Punkte. In der Placebogruppe betrug die Veränderung 3,06 Punkte. Der Gruppenunterschied war statistisch signifikant.

Innerhalb der einzelnen Bereiche zeigte die Studie für Shatavari allein lediglich bei der sexuellen Zufriedenheit einen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo. Der Zufriedenheitswert stieg in der Shatavari-Gruppe um 1,49 Punkte und in der Placebogruppe um 0,48 Punkte.

Bei sexuellem Verlangen, Erregung, Lubrikation, Orgasmus und Schmerzen wurden für Shatavari allein keine signifikanten Unterschiede gegenüber Placebo festgestellt.

Die Kombination aus Shatavari und Ashwagandha erhöhte den FSFI-Gesamtwert um 5,75 Punkte. Gegenüber Placebo bestanden außerdem signifikante Unterschiede bei Erregung, Lubrikation und Orgasmus. Bei sexuellem Verlangen, Zufriedenheit und Schmerzen waren die Unterschiede nach acht Wochen nicht signifikant.

Zwischen Shatavari allein und der Kombination bestand beim FSFI-Gesamtwert kein signifikanter Unterschied. Bei der sexuellen Zufriedenheit schnitt Shatavari allein sogar signifikant besser ab als die Kombination.

Sexuell bedingter Leidensdruck

Der mit der Female Sexual Distress Scale erfasste Leidensdruck verringerte sich in der Shatavari-Gruppe nach acht Wochen um durchschnittlich 8,49 Punkte. In der Placebogruppe betrug die Abnahme 2,50 Punkte. Der Unterschied war statistisch signifikant.

In der Kombinationsgruppe sank der Wert um 12,64 Punkte. Auch diese Veränderung war gegenüber Placebo signifikant. Zwischen Shatavari allein und der Kombination bestand jedoch kein signifikanter Unterschied.

Sexuelle Aktivität

Die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs erhöhte sich in der Kombinationsgruppe signifikant stärker als unter Placebo. Für Shatavari allein wurde kein signifikanter Vorteil gegenüber Placebo festgestellt.

Bei der Anzahl der Orgasmen, der Anzahl befriedigender sexueller Aktivitäten und der separat erfassten Stärke des sexuellen Verlangens zeigten sich in keiner Behandlungsgruppe signifikante Vorteile gegenüber Placebo.

Glücksempfinden und Stimmung

Nach den in Tabelle 3 berichteten Ergebnissen verbesserte sich der Wert des Oxford Happiness Questionnaire in der Shatavari-Gruppe nach acht Wochen um 0,40 Punkte und unter Placebo um 0,12 Punkte. Der Gruppenunterschied war statistisch signifikant. Der beschreibende Fließtext der Studie bezeichnet diesen Unterschied dagegen als nicht wesentlich. Die Tabelle und die schriftliche Ergebnisdarstellung stimmen an dieser Stelle nicht vollständig überein.

Bei den mit dem Profile of Mood States untersuchten Parametern zeigte Shatavari allein gegenüber Placebo lediglich eine signifikant stärkere Verringerung der Anspannung. Bei Ärger, depressiver Stimmung, Erschöpfung, Verwirrung, Vitalität und dem Gesamtwert der Stimmungsbeeinträchtigung bestanden keine signifikanten Unterschiede.

Die Kombination aus Shatavari und Ashwagandha zeigte gegenüber Placebo deutlichere Unterschiede. Nach acht Wochen waren Anspannung, Ärger, depressive Stimmung, Erschöpfung, Verwirrung und der Gesamtwert der Stimmungsbeeinträchtigung stärker reduziert. Diese Ergebnisse können jedoch nicht Shatavari allein zugeschrieben werden.

Schlafqualität

Die Studie zeigte für Shatavari allein keine signifikanten Vorteile bei subjektiver Schlafqualität, Einschlafzeit, Schlafdauer, Schlafstörungen, Verwendung von Schlafmitteln, Beeinträchtigungen am Tag oder dem PSQI-Gesamtwert.

Auch die Kombination verbesserte den globalen PSQI-Wert nicht signifikant. Bei der Schlafeffizienz wurde zwar ein signifikanter Gruppenunterschied gegenüber Placebo angegeben. Die in der Tabelle ausgewiesene Veränderung verlief jedoch in Richtung eines höheren PSQI-Teilwertes. Da höhere Werte eine schlechtere Schlafeffizienz anzeigen, lässt sich dieses Ergebnis entgegen der Interpretation der Autoren nicht eindeutig als Verbesserung bewerten.

Sexualhormone

Nach acht Wochen lagen die Testosteronwerte in beiden Behandlungsgruppen signifikant über dem Wert der Placebogruppe:

  • Shatavari: 30,65 ng/dl

  • Shatavari und Ashwagandha: 28,88 ng/dl

  • Placebo: 22,79 ng/dl

Zwischen Shatavari allein und der Kombination bestand kein signifikanter Unterschied.

Bei Estradiol, FSH und LH wurden dagegen keine signifikanten Gruppenunterschiede festgestellt. Die Studie zeigte somit keine statistisch nachweisbare Veränderung dieser drei Hormone durch Shatavari.

Sicherheit und Verträglichkeit

In allen drei Gruppen traten leichte Nebenwirkungen wie Hautausschlag, Übelkeit, Schwindel, Blähungen, Kopfschmerzen und Durchfall auf. Diese Beschwerden verschwanden ohne Behandlung. Schwere oder nach Einschätzung der Studienleitung produktbedingte unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet.

Die untersuchten Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte blieben nach Angaben der Autoren innerhalb der Normalbereiche. Bei AST bestand nach acht Wochen allerdings ein kleiner signifikanter Unterschied zwischen Shatavari und Placebo. Dieser wurde von den Autoren nicht als klinisch relevant oder als Nebenwirkung eingestuft.

3. Fazit und Einordnung

Die Studie zeigte, dass die achtwöchige Einnahme von 300 mg standardisiertem Shatavari-Wurzelextrakt den Gesamtwert der sexuellen Funktion und die sexuelle Zufriedenheit gegenüber Placebo signifikant verbesserte. Gleichzeitig verringerte sich der sexuell bedingte Leidensdruck. Für sexuelles Verlangen, Erregung, Lubrikation, Orgasmushäufigkeit, Schmerzen und die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs zeigte Shatavari allein dagegen keine signifikanten Vorteile.

Die Kombination mit Ashwagandha zeigte in mehreren Teilbereichen der sexuellen Funktion und der Stimmung zusätzliche Unterschiede gegenüber Placebo. Ein eindeutiger additiver Effekt wurde jedoch nicht nachgewiesen: Beim Gesamtwert der sexuellen Funktion und beim sexuellen Leidensdruck war die Kombination Shatavari allein nicht signifikant überlegen.

Positiv zu bewerten sind das randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studiendesign sowie die geringe Zahl an Studienabbrüchen. Die Aussagekraft wird jedoch durch die kurze Studiendauer, die Wirksamkeitsauswertung ausschließlich anhand der Teilnehmerinnen mit abgeschlossenem Studienprotokoll und die zahlreichen untersuchten Endpunkte eingeschränkt. Für die sekundären Endpunkte wurde keine Korrektur für multiple Vergleiche vorgenommen, wodurch die Wahrscheinlichkeit zufällig signifikanter Ergebnisse steigt.

Quelle: Effects of Shatavari (Asparagus racemosus) Root Extract on Sexual Wellness in Women: Findings from a Prospective, Randomized, Double-Blind, Three-Arm, Parallel-Group, Placebo-Controlled Study

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